This document was sent to me by Jelena Lemlein a current
resident of Glogon. Richard
Schwanfelder was her mother’s teacher.
DIE GESCHICHTE DER GEMEINDE GLOGON
By: Richard Schwanfelder-1926
Was die Vorgeschichte der Gemeinde Glogon betrifft, diese
ist leider noch in tiefes Dunkel gehüllt, denn nur wenige glaubenswerte Daten,
geschichtliche Aufzeichnungen stehen uns
zur Verfügung, welche in diese Ferne der Zeiten hinleuchtend über die
Entstehung und Alter der Gemeinde uns nur annähernd Aufschluss geben könnten.
Der Ort Glogon taucht in der Geschichte zuerst im Jahre
1586 also zur Zeit der Türkenherrschaft auf und gehörte damals zum
Pantschowarer Sandschak. Seine Einwohner scheinen aus Serben bestanden zu
haben, u.zw. aus einigen jener Familien, die aus dem sogenannten Altserbien
herübergeflüchtet waren und von den ungarischen Königen dafür, dass sie die
Grenzen des Reiches mit den Waffen in der Hand schützten, die verschiedensten
und ausgedehntesten Privilegien erhalten haben.
Diese Kolonien bildeten eine ganz besondere Organisation,
aus welcher sich dann später nach und nach das Institut der Militärgrenze entwickelte.
Ob das die erste Ansiedlung gewesen ist, ist nicht
festzustellen. Das aber die ersten Bewohner unseres Ortes nur slawischer
Abstammung sein konnten beweist mit Genüge der echt slawische Klang des Namens
„Glogon“, welcher vermutlich aus dem Worte „Glog“ oder „Glogovina“ entstanden
ist. Glog bedeutet nämlich im Deutschen „Weißdorn“ und die ersten Ansiedler
scheinen bei ihrer Niederlassung hier sehr viel von diesem Strauchwerke
angetroffen zu haben, was sie veranlasst haben musste, den Ort mit dem Namen
Glogon zu bezeichnen.
Die Bewohner des Ortes standen selbstverständlich auf der
niedersten Stufe der Bildung u. wohnten in elenden Hütten, die sie aus
Weidengeflechten u. Lehm aufgeführt hatten. Ihre Hauptbeschäftigung war die
Fischerei u. Jagd. Feldbau und Viehzucht hatten sie nur soweit betrieben, als
diese zu ihrer Erhaltung unumgänglich notwendig waren. Ihre Sitten waren im
allgemeinen roh und da sie weder Schule noch Kirche hatten so entbehrten sie
jeder Kultur und waren zur Barberrei herabgesunken.
164 Jahre schmachtete das Banat unter türkischer Tyrannei
und als dasselbe im Jahre 1716 der feindlichen Macht entrissen wurde, hatte
Glogon alles in allem nur 16 bewohnte Häuser aufzuweisen, in welchen ungefähr
40-50 Seeelen gehaust haben mochten.
Sechs Jahre später u. zw. von 1723 -1727 wurde auf Befehl
des Grafen Mercy die Banater Provinz vermessen und mappiert. Auf dieser Karte
findet man Glogon mit dem Namen „Glokanski“ bezeichnet, nur mehr unter den
verlassenen, verödeten Orten des Pantschowarer Bezirkes.
Als jedoch gegen die räuberischen Einbrüche der
türkischen Nachbarn die Grenzlinie errichtet wurde, war Glogon abermals
bevölkert und bildete mit den Gemeinden Jabuka, Sefkerin und Opovo die
Pantschowa-Opowaer Grenzschanze, auch Grenzwache genannt, welcher einer aus 240
Mann bestehenden Hajduken-Kompanie anvertraut war. In diesen Kompanien dienten
die Einwohner der Ortschaften, also auch die Einwohner der Gemeinde Glogon.
Bezahlung hatten die Hajduken keine, doch wurden ihnen statt des Soldes Acker -
u. Wiesengründe zur Nutznießung überlassen. Auch genossen sie vollkommen
Steuerfreiheit und noch viele andere, teils moralische, teils materielle
Begünstigungen.
Im Jahre 1764 wurde die Militärgrenze organisiert. 1767
wurde auch Glogon derselben einverleibt und ward der Sitz der ersten Kompanie
des Deutschbanater Grenzregiments Nr. 12. Zur Glogoner Kompanie gehörten die
Ortsgemeinden Sefkerin, Borca und Ovöa. Die ersten Offiziere der Glogoner
Kompanie waren: Komp. Kommandant Theodor Schlay, dessen Stellvertreter
Hauptmann Anton Mehhoffer, Obltn. Simon Munier, Ltn. Josef von Mathay,
Dienstführender Feldw. Friedrich Johann Rosenzweig und Kompaniearzt Andreas
Konrad Gehlig.
Die Militärkanzleien waren in einem, in demselben Jahr
aufgeführten Gebäude untergebracht, welches nach Auflösung der Militärgrenze
unter dem Namen „Hauptwache“ bis 1910 als Gemeindehaus gedient hat.
Im Jahre 1768 war unter vielen anderen Gemeinden auch der
Glogoner das seltene Glück zuteil, dem Kaiser Josef II in ihrer Mitte zu huldigen.
In den Jahren 1771 und 1772 zogen die serbischen Insassen der strengen militärischen
Herrschaft müde, aus der Gemeinde ab, die im Jahre 1774 von den deutschen
Kolonisten besetzt wurde. Obzwar über die Herkunft der eingewanderten Deutschen
uns keine spezifizierten Ausweise zur Verfügung stehen, so war es uns mit Hilfe
der alten Kirchenbücher bei einigen Eingewanderten doch möglich festzustellen,
woher sie stammen.
So kamen:
aus Elsass: Klaus, Krämer, Baumann, Deny, Gross,
Eisenkolb, Halwax.
aus Lothringen: Bernhardt, Fux, Kötterer, Spiesser,
aus Bayern: Schmidt, Messert, Fischer, Willy,
aus Merseburg: Füsterer,
aus Hessen: Feger, Rieth,
aus Baden: Weisert, Reiser, Müller, Imhof,
Safamoser, Johs, Mayer,
aus der Rheinpfalz: Wolf,
aus Böhmen: Kleemann, Haida, Berner, Cerny,
Blatnek, Lischitz, Manchel,
aus Mähren: Novak, Liebzeit, Kokesch,
aus Schlesien: Hauser, Schady,
aus Niederösterreich: Lehr, Hirnschall,
Kupfer,
aus Kärnten: Weber,
aus Sachsen: Nied,
aus Salzburg: Trollmann,
aus der Steiermark: Schulz, Kastner,
Büchler, Nahm,
aus Belgien: Scherer,
Mit den Deutschen wanderten auch einige Familien ein, die
französischer Abstammung waren, wie: Bunyor, Duran, Piess, Lohran.
Unter den alten Namen finden sich auch solche, die heute
in Glogon nicht mehr vorkommen. Solche sind: Schermann, Morgenbrot, Rotter,
Rossberger, Kraft, Feldmann, Spinner, Höffringer, Fidler, Freiburger,
Rabengrab, usw.
Auf Befehl der Kaiserin Maria Theresia wurden im Jahre
1775 Schule und Kirche erbaut und letztere mit 3 Glocken versehen, von welchen
eine die „ANNAGLOCKE“ Geschenk der
Kaiserin war.
Laut der im Jahre 1779 vorgenommenen Konskription hatte
Glogon insgesamt 856 Einwohner.
Zur Zeit der türkischen Invasion 1788, hatte auch Glogon
viel zu leiden. Die Türken überfielen gegen Ende September die Gemeinde,
plünderten sie aus, richteten unter den Bewohnern ein abscheuliches Blutbad an
und steckten zum Schluss den ganzen Ort in Brand. Die Leichen der unglücklichen
Einwohner wurden am südwestlichen Rande des Ortes zur linken Seite des
Temeschufers in einem Massengrabe bestattet. Im Jahr 1790/91 trat hierorts die
gefürchtete und rasch einherschreitende Cholera auf, die unter der Bevölkerung
eine so reiche Ernte hielt, dass zur Beerdigung der Toten auf der unteren
Hutweide ein separater Platz ausgeschieden werden musste. Es soll dies an der
Stelle des Erdhügels sein, welcher unter dem Namen „Cholerafriedhof“ bekannt
ist.
Im Jahre 1794 wurden in unserer Gemeinde die ersten
Rumänen angesiedelt, deren Vorfahren aus Siebenbürgen stammen, wo sie schon
seit Jahrhunderten größtenteils als Hirten und Dienstleute, teils als
Handelsleute und Hausierer ein wanderndes Leben führten. In denselben Jahren
machten sich einige ungarische Familien aus Magyar-Itebe und Hodmezövasarhaly
hier ansässig, die sich jedoch mit der Zeit entnationalisiert haben und sich
heute schon als echte Deutsche fühlen und bekennen. Eine namhafte Einwanderung
geschah noch im Jahre 1800, als sich 16 rumänische Familien aus Klek und
Jankahid hier ansässig machten.
Im Jahre 1806 hatten die Rumänen, die bisher in
kirchlicher Beziehung zur Pfarre der Gemeinde Sefkerin gehörten, ihr erstes
Bethaus erhalten, in welchen Pfarrer Isak Todorovic das Wort Gottes verkündete.
Um das Jahr 1819 stattionisierte hier als Kompanie-Kommandant
Stefan Supljikac, der im Jahre 1848 als Wojwoda an der Spitze der serbischen
Nation gestellt wurde. Er war der
Letzte, der diese altgeschichtliche Würde trug.
Im Juni 1825 wurde der Turm der katholischen Kirche durch
einen heftigen Sturz herabgerissen und dabei auch die Turmuhr vollkommen
zerstört. In demselben Jahre wurde in
Glogon, wo bisher nur eine Trivialschule bestand, eine deutsche Gemeindeschule
errichtet und diese durch den Lehrer Johann Duptza besetzt. Drei Jahre später
erhielten auch die Rumänen eine Gemeindeschule, an welche als Lehrer Jovan
Popovic ernannt wurde.
Im Jahre 1839 wurde der rumänischen Kirchengemeinde der
jetzige Kirchenplatz verliehen, auf welchen sie im nächstfolgenden Jahre das
bis 1911 bestandene Bethaus erbaute.
1841 wurde das alte, schon sehr baufällige katholische
Kirchengebäude demoliert und das jetzige Gotteshaus aufgeführt.
Im Jahre 1848 soll sich über Glogon eine
Heuschreckenmasse ergossen haben, welche die Erde spannhoch bedeckte und in
Wiesen und Gärten ungeheueren Schaden anrichtete.
Glogon scheint in den Freiheitskämpfen 1848/49 welcher
zwischen Österreich und der ungarischen Nation entbrannten, keine besondere
Rolle gespielt zu haben und von den Drangsalen der damaligen harten und
schweren Kämpfen ganz und gar verschon geblieben zu sein. Denn aus dieser
schweren Zeit hat uns die Geschichte gar nichts, die Überlieferung aber nur
wenig Bemerkenswertes aufbewahrt.
Der Tradition zufolge soll Anfang September 1848 eine
Abteilung des serbischen Kriegsheeres, welches zur damaligen Zeit unter dem
Kommando des Generals Zivanovic in Crepaja lagerte, auch in Glogon eingefallen
sein, wo sie am Kirchenplatz Stellung nahmen und unter Androhung schwerer
Strafen die Ortsvorstehung aufforderte, ihr eine bestimmte Geldsumme -
angeblich 8000 Gulden - als Brandsteuer zu zahlen und sie mit dem nötigen Zug-
und Schlachtvieh sowie auch mit anderen Kriegs- und Lebensmitteln zu versorgen.
Nachdem das überraschte und erschrockene Volk der Aufforderung ohne Weigerung in
kürzester Zeit Genüge leistete, zog die Truppe ohne der Gemeinde auch nur den
geringsten Schaden zugefügt zu haben, in aller Ruhe wieder ab.
Im Jahre 1863 ward unsere Gemeinde von einem großen Übel,
von der Hungersnot heimgesucht. Nach einem kalten und trockenen Winter folgte
ein außerordentlich heißer Sommer, ohne Tau und Regen. Die Früchte auf den
Feldern und in den Gärten trockneten aus. Weiden gab es keine und die Haustiere
konnten nur mit Blättern, Wurzeln und Weidenruten genährt werden. Dei Folge davon
war, dass ein Teil davon vor Hunger zu Grunde gehen musste. Auch an
Nahrungsmitteln herrschte große Not und unbeschreiblich war das Elend, welches
durch die spärlichen Unterstützungen des Staates nur teilweise gestillt werden
konnte. Nur mit schwerer Mühe und nachdem der Staat der Bevölkerung auch den
Anbausamen zur Verfügung stellte, konnte für die Aussaat des kommenden Jahres
gesorgt werden.
Im nächstfolgenden Jahr 1864 schien jedoch der
Allmächtige sich der Bevölkerung erbarmt zu haben und schenkte ihnen eine
selten gute und reiche Ernte für die vielen Leiden, die sie im Missjahre
ertragen mussten.
Im Jahre 1872 wurde aufgrund des im ungarischen Landhaus
geschaffenen Gesetzt vom 8. Juni 1871 die Militärgrenze aufgelöst und die
Landes- Verwaltungs-Bezirke eingeführt.
Glogon mit den Gemeinden Jabuka, Sefkerin, Franzfeld, Borca und Ovca
bildeten das Glogoner Verwaltungsgebiet mit dem Bezirkssitz Glogon. Im nächsten
Jahr jedoch erhielten die Verwaltungsbezirke die Bezeichnung „Stuhlbezirk“. Das
Glogoner Verwaltungsbezirk wurde aufgelöst und Glogon dem Pantschowarer
Stuhlbezirk einverleibt.
Bisher lag die Gemeindeverwaltung in den Händen des
Militärs. Nun wurde zur Besorgung der Gemeindeangelegenheiten die
Gemeindevorstehung eingesetzt. Als erster Notar wurde Gustav Schwanfelder
gewählt, welcher in den 50-er Jahren eine Zeitlang hier als Gemeindelehrer
gewirkt hatte. Der erste Richter war Peter Bernhardt, der in der Militärgrenze
auch als letzter Ortsvorstand fungiert haben soll. Als Richter wirkten nach ihm
bis auf den heutigen Tag noch folgende: Ivan Sostaric, Johann Piess, Johann
Andreic, Wilhelm Kupfer, Ignatz Johs, Josef Pakacay, Simin Zebeljan, Peter
Lehr, Max Zacher, Josef Bernhardt, Franz Willy, Franz Schaff, Josef Paar und
Josef Lohran.
Die Sanitätsdienste wurden insolange die Militärgrenze
bestand daselbst von den Kompanieärzten versehen. Der letzt Kompanie-Arzt war
Gottfried.
Im Jahre 1872 wurde nach Vereinbarung mit der
Nachbargemeinde Sefkerin eine Kreisarztenstelle gegründet und an dieselbe der
Militär-Oberwundarzt Josef Kren gewählt. Auch die Post wurde in diesem Jahr der
Zivilbehörde übergeben und mit dem Titel eines Postmeisters ein gewisser Georg
Dragoi betraut.
Infolge Auflösung der Militärgrenze wurde im Jahre 1871
auch die staatliche erhaltene
sogenannten Trivialschule aufgelassen und dafür im Jahre
1876 eine ungarische Staatsschule errichtet, eine der ersten, welche die
ungarische Regierung im Grenzgebiet eröffnen ließ. Der erste ungarische
Staatslehrer hieß Friedrich Krämer, der ein tüchtiger, aber auch strenger
Lehrer gewesen sein soll.
Im Jahre 1880 zählte die Gemeinde Glogon insgesamt 2886
Einwohner, während sie 10 Jahre später 2911 Seelen hatte, also um 251 Seelen
mehr, als wir heute zählen.
Nach Auflösung begann sich auch das Vereinsleben und
Genossenschaftswesen zu entwickeln. So wurde im Jahre 1882 ein Roter Kreuz
Verein gegründet. 1883 ein Männergesangverein, 1889 der freiwillige
Feuerwehrverein, 1895 der landwirtschaftliche Bauernverein, 1901 die
Kreditgenossenschaft und das Kasino, 1906 die Jägergesellschaft, 1920 der
deutsche Kulturbund, 1992 der Verein der Glogoner Kaufleute und
Gewerbetreibenden.
Mit diesen schließen wir unsere heutige Vorlesung, in der
wir in kurzen Zügen die Vergangenheit, das historische Bild unserer Gemeinde
vor Augen führten. Mögen wir uns an demselben erbauen und um getreu den
Ahnentugenden mit demselben Fleiße, mit derselben Ausdauer und Sparsamkeit,
womit unsere Vorahnen im Laufe der vielen langen Jahren Anwesen, Grund und Heim
erworben, in brüderlichen Liebe vereint, tätig weiterarbeiten können, für eine
schönere und bessere Zukunft der Gemeinde Glogon.
Am Tage der 150 Jahreswende der Glogoner Deutschen
Ansiedlung.